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Der dritte Bildungsweg

Studieren ohne Abi

Seit einigen Jahren besteht in allen Bundesländern für berufserfahrene Menschen ohne Abitur oder Fachschulreife die Möglichkeit, zum Studium gegelassen zu werden. Wer den Wunsch nach Weiterqualifizierung hat, sollte sich dennoch auf einige Hürden gefasst machen. Bundeslandspezifische Regelungen setzen eine intensive Recherche voraus, um das passende Angebot für den eigenen Werdegang zu finden.

Was für Voraussetzungen gibt es?

Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufserfahrung - zwei bis fünf Jahre - vorweisen kann, darf sich Hoffnungen machen. Diese Voraussetzungen sind der kleinste gemeinsame Nenner, um ein Studium ohne Abitur aufnehmen zu können; die genaue Ausgestaltung der Aufnahmekriterien variieren jedoch von Ort zu Ort.

Was hat sich in den letzten Jahren geändert?

Den Fachkräftemangel im Visier wurden im Jahr 2009 neue bundeseinheitliche Regelungen beschlossen; der Zugang zur Hochschule sollte gelockert und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung deutlicher werden. Das Stichwort heißt Qualifizierungsinitiative Deutschland. Um mehr Berufstätige für ein Studium zu begeistern, müssen Anreize geschaffen werden.

Teil der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung "Aufstieg durch Bildung" ist beispielsweise auf das Aufstiegsstipendium. Das Aufstiegsstipendium unterstützt Fachkräfte mit Berufsausbildung und Praxiserfahrung bei der Aufnahme und Durchführung eines akademischen Hochschulstudiums. Inzwischen gibt es Stipendiatinnen und Stipendiaten an über 300 Hochschulen. Jährlich können rund 1.000 Stipendien vergeben werden.

Wie sehen die Regelungen für die Zulassung ohne Abitur genau aus?

1. Mit dem Meisterstudium wird Studierwilligen ohne Abitur der Zugang zu den Hochschulen sehr erleichtert: Im März 2009 einigten sich die Kultusminister der Bundesländer darauf, dass Meister, Techniker und Fachwirte ein allgemeines Hochschulzugangsrecht erhalten. Sie können ein Fach ihrer Wahl studieren, ohne eine Eignungsprüfung ablegen oder Probezeiten absolvieren zu müssen. Ihr Abschluss ist der allgemeinen Hochschulreife, dem Abitur, gleichgesetzt.

2. Ein direktes fachgebundenes Zugangsrecht erhalten Berufstätige mit mindestens zweijähriger Ausbildung und dreijähriger Berufspraxis. Dies bedeutet: Ihr Studienfach muss grob ihrer bisherigen beruflichen Fachrichtung entsprechen

Welche Hürden gibt es noch auf dem Weg ins Studium?

Doch auch wenn die formalen Voraussetzungen für ein Studium ohne Abitur erfüllt sind, kann es sein, dass Bewerber noch weitere Aufgaben lösen müssen, bis sie sich als ordentliche Studierende einschreiben können.

Vielerorts wird das Bestehen einer Eignungsprüfung verlangt. Diese Prüfung kann auch Begabten-,  Einstufungs-, Zugangs-  oder Feststellungsprüfung heißen.Die Eignungsprüfung wird von jeder Hochschule individuell vorgenommen. Geprüft werden die Voraussetzungen des Bewerbers. Derartige Tests sollen aufzeigen, ob der Bewerber den Anforderungen eines Studiums gewachsen ist.

Auch ein einjähriges Probestudium kann auf Studieninteressiert ohne Abitur zukommen.

Wie und wo kann ich mich am besten informieren?

Beruflich Qualifizierte, die sich für ein Studium interessieren, sollten am besten die Beratungsangebote der Hochschulen in Anspruch nehmen. Was, wie und wann erfragt jeder Studieninteressierte am leichtesten direkt vor Ort.

Mit welchen Problemen muss ich rechnen?

Daran gewöhnt, über ein eigenes Einkommen zu verfügen, wird ein Vollzeitstudium für ehemalige Vollzeitbeschäftigte eine große Umstellung werden. Wer es nicht schafft, sich eine berufliche Auszeit zu nehmen, ist mit einer Doppelbelastung konfrontiert: Studium und Arbeit zu verbinden, kostet sehr viel Energie.

Die Erfahrung zeigt aber auch, dass sich beruflich Qualifizierte ganz bewusst für einen vorübergehenden Ausstieg aus dem vollständigen Erwerbsleben entscheiden und deshalb in der Regel sehr viel zügiger und leistungsorientierter studieren - mit entsprechend guten Ergebnissen.

Was gibt für andere Möglichkeiten? Open University - Universität für alle

Die Open University in London ist das Vorzeigemodell, wenn es um den freien Zugang zur Bildung geht. Im Fernstudium kann dort ein buntes Spektrum an unterschiedlichsten Fächern belegt werden, sofern die eigenen Englischkenntnisse ausreichend sind.

Die Voraussetzungen für die Aufnahme eines Studiums sind ein Mindestalter von 18 Jahren, sowie ein Wohnsitz in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union oder in der Schweiz. Anerkannt sind die Abschlüsse Bachelor und Master in Deutschland. Der Nachteil ist allerdings, dass hohe Kosten entstehen, da die OU für Studienbewerber aus dem Ausland keine staatlichen Zuschüsse bezieht.

, Redaktion
hartmann@no-spamstudieren.de

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