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Psychische Gesundheit im Studium – und wie man Hilfe erhält

Während des Studiums ist man verschiedensten Belastungen ausgesetzt, die zu Ängsten und Sorgen führen können. Egal ob Prüfungen, Hausarbeitsfristen, Regelstudienzeit oder BAföG-Anträge – Wie Du Deine psychische Gesundheit als Student*in angesichts dieser Belastungen krisenfest hältst und wann und wie Du im Zweifelsfall Beratung und Hilfe auf unkomplizierte Art und Weise erhältst, erfährst Du bei uns.

Studienzeit – die beste Zeit des Lebens?

Das Studium wird von vielen als eine glückliche Phase ihres Lebens beschrieben. Doch zur Wahrheit gehört auch: Nicht nur in der Arbeitswelt steigen die psychologisch bedingten Arbeitsausfälle auf ein inzwischen marktwirtschaftlich relevantes Niveau. Auch im Studium häuft sich der Bedarf an psychologischer Beratung und Therapie.

Nicht zuletzt aufgrund anderthalb Jahre Coronasemester steigt die Anzahl an Studierenden, die mit zusätzlicher Belastung zu kämpfen haben. Mangelnde Ablenkungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Geldsorgen und soziale Isolation führten bei vielen Menschen zu unterschiedlichsten Problemen. Diese reichen von Senkungen des Selbstwertgefühls und Identitätskrisen über Beziehungsprobleme bis hin zu psychischen Störungen.

Woran merke ich, dass ich Hilfe benötige?

„Eigentlich geht es mir doch gut.“ – Hast Du diesen Satz schonmal bei jemandem gehört oder sogar selbst gesagt? Jeder Mensch hat in seinem Leben von Zeit zu Zeit schwierige Phasen und durch viele schaffen wir es selbst. Doch wann ist der Punkt erreicht, an dem Hilfe angebracht ist?

Spätestens, wenn wiederkehrende Gedanken, Sorgen und Symptome Deinen Alltag bestimmen und Du Dir selbst oder Freunden durch länger andauernde Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit oder Reizbarkeit auffällst, solltest Du Dich fragen, ob Du das wirklich noch alleine stemmen musst.

  • Wirken sich Deine Probleme und Sorgen negativ auf Deine Beziehungen aus?
  • Bemerkst Du eine auftretende Motivationslosigkeit gegenüber früheren Hobbies, Interessen oder Deinem Studium?
  • Hast Du in der letzten Zeit immer öfter auf Alkohol oder andere Substanzen zurückgegriffen, weil Du anders nicht abschalten kannst?
  • Begleiten Dich negative Gedanken oder fehlt Dir die Energie Deinen Alltag zu bewältigen?
  • Zeigen sich Dir länger anhaltende körperliche Beschwerden, für die es keine Erklärung gibt?
  • Hast Du versucht, das Probleme selbst oder mit Hilfe Deines Umfelds zu lösen, leidest aber weiter darunter, weil eine Lösung nicht gelingt?

Wenn Du eine oder mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantwortest oder ganz einfach denkst, dass eine Therapie gut für Dich wäre, kannst Du unkompliziert ein Erstgespräch bei einem Therapeuten oder einer Beratungsstelle vereinbaren, in dessen Rahmen geklärt wird, was das richtige für Dich ist.

Anlaufstellen für Deine psychologische Hilfe

Der naheliegendste Ort für Studierende ist die psychologische Beratungsstelle der Uni – hier wird Dir unkompliziert, kostenlos und ohne Eintrag in die Krankenakte geholfen. Über die Webseite Deiner Universität gelangst Du an die entsprechenden Kontaktinformationen. An vielen Orten kannst Du unbürokratisch und online einen Termin für ein erstes Gespräch vereinbaren. Egal ob studienbezogene Problemstellungen, Unsicherheiten und Konflikte in Beziehung und Sexualität, mangelndes Selbstvertrauen oder Depressionen – diese universitätsunabhängige Stelle bietet Studierenden unproblematische und diskrete Hilfe. Alternative Beratung findest Du jederzeit bei Deinem Hausarzt oder den folgenden Ansprechpartnern:

  • Telefonseelsorge 0800 111 0 111 – Egal ob Alltagsproblem oder akute Hilfsbedürftigkeit, hier findest Du zu jeder Tages- und Nachtzeit ein offenes Ohr. Auch online unter: online.telefonseelsorge.de
  • Info-Telefon Depression 0800 33 44 533 – Du vermutest eine Depression bei Dir oder einer Dir nahestehenden Person? Hier erhältst Du Informationen und Beratungsmöglichkeiten.
  • Hilfe-Telefon Gewalt gegen Frauen 0800 116 016 – Für alle Betroffenen Frauen jeglicher Nationalität und Sprache. Auch per Chat unter hilfetelefon.de erreichbar.
  • Therapie.de oder Psychotherapeutenkammer.de – Hier erfährst Du, welche geeigneten Therapeuten*innen in Deiner Nähe sind und kannst Termine vereinbaren.

Alle diese Dienste sind natürlich kostenfrei und streng vertraulich – Du kannst Dich anonym melden und musst nur über das sprechen, worüber Du willst.

Ist eine Therapie ein Karrierekiller?

In einer Therapie festgehaltene Diagnosen werden zwar Deiner Krankenkasse gemeldet und dort zehn Jahre aufbewahrt. Doch Deine Ärzte und Therapeuten unterliegen einer Schweigepflicht und Arbeitgeber haben kein Auskunftsrecht über Diagnosen – Deine psychische Gesundheit ist genauso wie Deine körperliche Gesundheit absolute Privatsache.

Für mache Prozesse kann es jedoch erforderlich sein, von dieser Schweigepflicht zu entbinden. Das ist etwa der Fall, wenn im Rahmen einer Berufsunfähigkeitsversicherung eine Überprüfung deines Gesundheitsstatus vorgenommen wird. Tatsächlich bewerten viele Versicherungsunternehmen psychische Erkrankungen je nach Schwere als Risiko. Informiere Dich daher im Vorhinein über die Bedingungen, wenn Du vorhast, eine solche Versicherung abzuschließen.

Du möchtest eine Therapie aber willst auch irgendwann verbeamtet werden?

Auch im Rahmen der Verbeamtung können sich Einträge über psychische Belastungen negativ auswirken. Doch entgegen dem Mythos, dem gerade viele Lehramtsstudierende anhängen, ist nicht jegliche therapeutische Intervention ein Ausschlusskriterium. Gerade, wenn Therapien erfolgreich abgeschlossen wurden oder sich nicht negativ auf Dein Beschäftigungsverhältnis oder Deine Studientätigkeit ausgewirkt haben, hast Du weniger zu befürchten. Schwieriger wird es hingegen bei Psychosen oder chronischen Erkrankungen, die überdurchschnittliche Fehlzeiten bis zur Pension erwarten lassen. Insgesamt hat sich die rechtliche Position für Anwärter jedoch maßgeblich verbessert.

Hier sei nochmal daran erinnert, dass psychologische Beratungsstellen an Universitäten keinerlei Daten an Deine Krankenkasse melden. Weder Arbeitgeber noch Amtsarzt erfahren daher von Deiner Therapie. Ein Zurückhalten einer nötigen Therapie ist auch nicht sinnvoll: Ohne Aufarbeitung können manche Probleme die Berufsfähigkeit schon von sich aus nachhaltig gefährden.

7 Hilfsmittel für Deine psychische Hygiene

Genauso wie es richtig ist, anderen Menschen mit Empathie zu begegnen, ist Mitgefühl gegenüber der eigenen Person wichtig für die psychische Gesundheit und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress. Denn wir sind jeden Tag unterschiedlichsten Belastungen ausgesetzt: Krankheiten, Verkehrsstaus, alltägliche Ärgernisse und Konflikte.

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Deine psychische Widerstandskraft gegenüber diesen Stressquellen zu erhöhen, die Du noch heute umsetzen kannst.

  1. Sprich mit anderen – Lass die Hilfe durch andere zu und sei auch für andere da. Auf diese Art schaffst Du Dir ein Umfeld, das in Schwierigkeiten und Krisenzeiten füreinander da ist.
  2. Steigere Dein Selbstwertgefühl und Deine Stressbewältigung mit geeigneten Aktivitäten –Teamsport oder Selbstverteidigungskurse wirken sich positiv auf Dein Selbstvertrauen aus; Meditation, Yoga und Achtsamkeitsübungen verbessern Deinen Umgang mit Stress.
  3. Nimm Dir Zeit für Dich selbst – Wann war das letzte Mal, dass Du Dir selbst fünf Minuten ohne Ablenkung gegeben hast und über Deine Wünsche und Probleme nachgedacht hast? Nutze diese Auszeit und begib Dich an einen Ort, an dem Du Dich wohlfühlst.
  4. Sorge für Struktur und Bewegung – Ob zu Hause oder an der Uni: Geregelte Zeiten für Lern- und Pausenzeiten, Frühstück und Sport geben Dir Sicherheit.
  5. Werde Dir der schönen Dinge bewusst – Wir erinnern uns viel zu selten daran, wofür wir dankbar und worauf wir stolz sind oder was das schönste Erlebnis der Woche war. Schaffe Dir ein Ritual vor dem Schlafengehen, in dem Du Dich an diese Dinge erinnerst und senke dadurch nachweislich Deine Anfälligkeit gegenüber depressiven Verstimmungen.
  6. Akzeptiere Fehler – Wir sind oftmals eher bereit Fehler bei anderen zu akzeptieren als bei uns selbst. Lerne daher, mit Dir selbst wie mit einem guten Freund umzugehen. Das bedeutet Schwächen zu Verzeihen und Mut in Schwierigkeiten zuzusprechen.
  7. Lass Hilfe zu – Diese Mittel können Deinen Alltag erleichtern, aber sie ersetzen keine Therapie. Hab keine Angst vor Stigmatisierung oder Ausgrenzung. Gesundheit geht immer vor! Niemand erfährt von Deiner Therapie, wenn Du das nicht willst.

Diese Maßnahmen verbessern die sogenannte Psychohygiene. Dieser, aus der aktuellen Forschung entstandene Begriff beschreibt die Befreiung von belastenden Gedanken, Grübeleien und ähnlichen Belastungen des Alltags für die psychische Gesundheit. Wer Psychohygiene betreibt, verringert nachgewiesenermaßen sein persönliches Risiko für Angst- und Depressionsstörungen, verbessert seine Beziehungen zu den Mitmenschen und stärkt seine immunologische Abwehr gegenüber Erkrankungen.

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