
Der dritte Bildungsweg heißt "Studieren ohne Abitur". Ein Weg an die Hochschulen ist auch ohne den entsprechenden Schulabschluss möglich. In der Vergangenheit gab es in jedem Bundesland andere Regelungen. Seit Anfang März 2009 hat sich das Bildungschaos in Sachen "Studium ohne Abitur" jedoch deutlich gelichtet.
Was für Voraussetzungen gibt es?
Formal war ein Studium ohne Abitur in allen Bundesländern möglich - auch Bayern hat schließlich seit 2001 Studierende ohne Abitur zugelassen. Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufserfahrung - zwei bis fünf Jahre - vorweisen konnte, durfte sich Hoffnungen machen. Diese Voraussetzungen waren praktisch der kleinste gemeinsame Nenner, um ein Studium ohne Abitur aufnehmen zu können; die genaue Ausgestaltung der Aufnahmekriterien variierte jedoch von Ort zu Ort.
Doch trotz dieser Option war der Prozentsatz an Studierenden, die ein Studium ohne Hochschulzugangsberechtigung aufgenommen haben, in der Vergangenheit verschwindend gering. Mehr als ein bis zwei Prozent beruflich Qualifizierte waren an deutschen Hochschulen nicht zu finden. In der Zukunft soll sich das ändern.
Was hat sich in der letzten Zeit geändert?
Den Fachkräftemangel im Visier wurden im Jahr 2009 neue bundeseinheitliche Regelungen beschlossen; der Zugang zur Hochschule sollte gelockert und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung deutlicher werden. Das Stichwort heißt Qualifizierungsinitiative Deutschland. Um mehr Berufstätige für ein Studium zu begeistern, müssen Anreize geschaffen werden.
Was sind die neuen Regelungen?
1. Mit dem Meisterstudium wird Studierwilligen ohne Abitur der Zugang zu den Hochschulen sehr erleichtert: Im März 2009 einigten sich die Kultusminister der Bundesländer darauf, dass Meister, Techniker und Fachwirte ein allgemeines Hochschulzugangsrecht erhalten. Sie können ein Fach ihrer Wahl studieren, ohne eine Eignungsprüfung ablegen oder Probezeiten absolvieren zu müssen. Ihr Abschluss ist der allgemeinen Hochschulreife, dem Abitur, gleichgesetzt.
Bitte beachten: "Meistern" wird ein bestimmter Prozentsatz an Studienplätzen reserviert. In zulassungsbeschränkten Fächern und Fächern, die durch die ZVS vergeben werden, steht aber immer noch eine Eingangsprüfung an.
2. Ein direktes fachgebundenes Zugangsrecht erhalten Berufstätige mit mindestens zweijähriger Ausbildung und dreijähriger Berufspraxis. Dies bedeutet: Ihr Studienfach muss grob ihrer bisherigen beruflichen Fachrichtung entsprechen
Bitte beachten: Bevor die Regelungen in der Praxis greifen, ist die Änderung der Hochschulgesetze der erste Schritt.
Welche Hürden gibt es noch auf dem Weg ins Studium?
Wenn die Hochschulzugangsberechtigung aufgrund beruflicher Vorbildungen nicht erfüllt ist, besteht die Möglichkeit, seine Studierfähigkeit in einer Prüfung zu belegen. Die Eignungsprüfung kann Studienbewerbern ohne Abitur ebenfalls den Zugang zu einer Hochschule verschaffen. Diese Prüfung kann auch Begabten-, Einstufungs-, Zugangs- oder Feststellungsprüfung heißen.
Die Eignungsprüfung wird von jeder Hochschule individuell vorgenommen. Geprüft werden die Voraussetzungen des Bewerbers. Derartige Tests sollen aufzeigen, ob der Bewerber den Anforderungen eines Studiums gewachsen ist.
Wie und wo kann ich mich am besten informieren?
Beruflich Qualifizierte, die sich für ein Studium interessieren, sollten am besten die Beratungsangebote der Hochschulen in Anspruch nehmen. Was, wie und wann erfragt jeder Studieninteressierte am leichtesten direkt vor Ort.
Mit welchen Problemen muss ich rechnen?
Daran gewöhnt, über ein eigenes Einkommen zu verfügen, wird ein Vollzeitstudium für ehemalige Vollzeitbeschäftigte eine große Umstellung werden. Wer es nicht schafft, sich eine berufliche Auszeit zu nehmen, ist mit einer Doppelbelastung konfrontiert: Studium und Arbeit zu verbinden, kostet sehr viel Energie.
Die Erfahrung zeigt aber auch, dass sich beruflich Qualifizierte ganz bewusst für einen vorübergehenden Ausstieg aus dem vollständigen Erwerbsleben entscheiden und deshalb in der Regel sehr viel zügiger und leistungsorientierter studieren - mit entsprechend guten Ergebnissen.
Was gibt für andere Möglichkeiten? Open University - Universität für alle
Die Open University in London ist das Vorzeigemodell, wenn es um den freien Zugang zur Bildung geht. Im Fernstudium kann dort ein buntes Spektrum an unterschiedlichsten Fächern belegt werden, sofern die eigenen Englischkenntnisse ausreichend sind.
Die Voraussetzungen für die Aufnahme eines Studiums sind ein Mindestalter von 18 Jahren, sowie ein Wohnsitz in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union oder in der Schweiz. Anerkannt sind die Abschlüsse Bachelor und Master in Deutschland. Der Nachteil ist allerdings, dass hohe Kosten entstehen, da die OU für Studienbewerber aus dem Ausland keine staatlichen Zuschüsse bezieht.
Ulrike Hartmann, Redaktion
hartmann@studieren.de